Genitalstreich

   

Genitalstreich

Letzte Woche noch haben sich alle über den offensichtlich falschen Riesendödel von Model Shaun Ross amüsiert – und gar falsche Hoffnungen gemacht? – jetzt trägt die russische Formation LITTLE BIG ihr eigenes Teil (sic) zur Diskussion bei: Wie viele Likes bringt ein Genital?

Sekundäre Geschlechtsorgane werden bevorzugt dann eingesetzt, wenn es etwas zu verkaufen gilt. Sex sells, die alte Alliteration zugeschneiter Werber, trifft ja leider zu. Da wird zur besten Sendezeit der Boden mit tiefstem Ausschnitt geputzt (weil ein blanker Busen scheinbar auch für blanke Oberflächen, dank Mittelchen XY, bürgen kann) oder brackiges Bier aus Bauchnabeln geschlürft, als hätte der Verführer sich im Kühlschrank vergriffen. Es gilt: Je billiger das Produkt, desto mehr wird auch mit Sex gehandelt. Prinzipiell lässt sich das auch über die kleine Schwester des Werbefilms, das Musikvideo, sagen. Hier finden sich Brust und Hintern in sprichwörtlichen Ausmaßen, die sogar Thanksgiving noch übertreffen dürften.

Seltener bis gar nicht treten bislang die primären Merkmale unserer Sexualität vor die Kamera, was vor allem an den leider gänzlich andersartig scharfen Reglements des Internets liegt: Vagina und Penis auf YouTube und Instagram gehen einfach nicht. Ihnen haftet noch immer das Prädikat Porno an, verständlicherweise, sind sie dort doch Protagonisten. In einer Welt jedoch, die sich immer weniger mit einem "wieso" beschäftig und mehr hirnlos Hirnloses konsumiert als jemals zuvor, fällt nun auch diese Bastion. Was 2011 mit einem singenden Kopf in "Big Bad Wolf" von DUCK SAUCE begann und kürzlich mit dem Gummirohr im sonst ziemlich unspannenden Video von BRÅVES wieder Momentum aufnahm, mündet (!) nun in einer so denk- wie glaubwürdigen Performance von LITTLE BIG aus St. Petersburg: Wir müssen keinen echten Penis, keine wirkliche Vagina sehen, um sie zu erkennen. Sex sells, jaha, das liegt in den Genen. 

Mal sehen, wo uns die Evolution sonst noch hinführt.

LITTLE BIG - BIG DICK