Lady Abramovic

   

Lady Abramovic

Alle mal hergehört und aufgepasst: Lady Gaga liegt einsam und ungewöhnlich gewöhnlich gekleidet in einem leeren Raum und tönt vor sich hin, was ihre Lungenflügel so von sich geben. Kurz darauf setzt sie aufs Neue an, man sieht sie mit ulkiger Brille in einem flachen See stehen, es pieselt aus grauem Himmel. Dann aufeinmal ist sie splitterfasernackt, stakst auf einer Wiese umher und klammert sich im Wald an einen fauligen Ast. Man sieht Tattoos an ihr, die man vorher noch nicht kannte – bis sie wieder in einer Hütte sitzt und mit Kristallen schmust. Rund zwei Minuten dauert das Vimeo-Filmchen an, Gaga-Fans dürften ob der nun endgültig gebrochenen Öffentlichkeits-Abstinenz ihrer "Mutter Monster" vor Freude Glitzer werfen, während sich andere wohl fragen: Was soll das?

Populäre Performance-Kunst

Der Clip wäre wohl reiner Unsinn, wenn nicht Marina Abramović dahinter steckte. Die serbische Aktionskünstlerin hat eine über 40-jährige Karriere hinter sich, in der sie die Grenzen des menschlichen Miteinanders im öffentlichen Raum immer wieder erforschte und darzustellen versuchte. Legendär ist ihre Performance "The House With The Ocean View" von 2002, für die sie zwölf Tage in einer New Yorker Galerie weder aß noch sprach. Erst kürzlich übernahm Musiker Jay-Z die "Abramović-Methode" für sich und rappte stundenlang sein "Picasso Baby" mit Fremden. So nun auch Lady Gaga.

Das MAI

Der gemeinsam produzierte Clip scheint unspektakulär und der abstrakten Kunst verschrieben, wäre da nicht dieser Link zur Crowdfunding-Website Kickstarter, auf der Abramović zur Unterstützung ihres "MAI" aufruft. Das konzeptionelle Institut der Künstlerin hat sich auf die Flaggen geschrieben, allen interessierten Menschen die (derzeit bei Prominenten scheinbar so beliebte) "Abramović-Methode" zu lehren. Die Praktiken bereiten den Teilnehmer nicht nur darauf vor, über lange Zeiträume zu performen, sondern dienen auch der Augmentierung physischer und mentaler Erfahrungen – etwas, das Lady Gaga nach Hüftoperation und Tour-Aus wohl bekommen haben mag. 

Das Video mit ihr wird seinen Teil dazu beitragen, dass Marina noch ein bisschen Geld für ihr Institut zusammengetrommelt kriegt, schließlich möchte sie gerne 600.000 Dollar dafür haben. Und wer wird bei einem nackten Popstar nicht neugierig?

 

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