Ohr Yeah

   

Ohr Yeah

Make-up steht uns schon bis zum Hals – jetzt rückt’s bis zu den Ohren auf.

Gar nicht mal so verwunderlich. Eigentlich hängen Ohrläppchen ja auch einfach nur so rum, ihre einzige Funktion scheint es, verziert zu werden. Also ran an die Farbe. Auch Knorpel verdienen Aufmerksamkeit – da geht doch noch was! Schon Ötzi trug Löcher im Läppchen. Tatsächlich hat kein Körperteil so eine Modifikations-Historie und diente so oft als Symbol-Träger.
War’s im antiken Ägypten noch für die höheren Klassen bestimmt, trugen zeitgleich in Rom vor allem Sklaven Stecker, im immer noch alten Griechenland dann bevorzugt Prostituierte – bis die Kirche im 13. Jahrhundert das Stechen komplett verbot und wirklich nur noch Irre oder Kriminelle sich an die Ohren trauten. Den besonders gelungenen Raubzug feierten bekanntermaßen Piraten mit üppigem Gehänge. Erst ab dem 16. Jahrhundert legten Adelige wieder an, zur französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts wurde die kleine Kreole am Männer-Ohr zum Zeichen der Gesinnung. Noch mehr Mythen zum Ohrschmuck hat der Orient zu bieten: Hier ist’s schon fast ein Allheilmittel, das böse Geister abhält (die eben sonst durch die Ohren Eintritt in den Körper haben), die Augen stärkt und gleich auch Kopfschmerzen mildert.
Glauben kann man ja vieles. Was für uns zählt, ist der Look. Symbol-Kraft hat und braucht das neue „auf die Ohren“-Make-up nicht – Strahlkraft aber schon. In Metallic-Töne gedippt, ganz zarter Hauch, wirken die Ohr-ginale zunächst romantisch und sind erstmal ein weiteres leises Statement, in der nicht enden wollenden Welle des No-Make-up-Trends.
Denn seit angeblich nichts mehr über Nude geht, wird jeder Step genauestens überlegt. Reduktion ist para-heilig, keiner soll sehen, dass man sich Mühe, geschweige denn Gedanken, gemacht hat. Da birgt doch so ein Ohrläppchen Hoffnung: Auf das Zurückfinden zum Spaß – Ohr yeah.