Von Vielfalt: "If you don't use Naomi, you don't get us."

   

Von Vielfalt: "If you don't use Naomi, you don't get us."

Die Mode inspiriert, sie schafft Träume und verkauft Fantasien. Mit all ihren Stilen, Farben und Mustern steht sie für Variation. Doch in einer Hinsicht muss sie noch an ihrer Vielseitigkeit feilen: an der ethnischen Vielfalt der Models auf den Laufstegen, die sich bisweilen leider noch längst nicht so abwechslungsreich präsentiert, wie die Mode selbst.

Die Textilbranche, neben allen anderen Industrien, wird globaler und nicht nur die klassischen Märkte expandieren. Der Verkauf läuft nun international über das Internet und so ist es heute nichts Besonderes mehr, wenn amerikanische Mode nach Asien verschickt wird und umgekehrt. Marken müssen sich mittlerweile nicht mehr nur in ihrem direkten Umfeld beweisen: Internationalität scheint wichtiger denn je – die Mode eines jeden Designers kann auf der ganzen Welt bewundert werden. Umso mehr an Bedeutung gewinnen in diesem Zuge auch Lookbooks und Modenschauen, die jeden Typ Frau ansprechen wollen. Denn so vielfältig die Kundinnen sind, so vielfältig sollten auch die Models sein, die die Mode präsentieren. Mit immer mehr farbigen Frauen, die auf dem Laufsteg zu sehen sind, scheint die Fashion-Industrie auf einem guten Weg dorthin und entfernt sich endgültig von den Zeiten, in denen dunkelhäutige Models ausschließlich für exotische Fotostrecken gebucht wurden.

Die Bürgerrechtsbewegung in den USA während der 60er in den sechziger Jahren war nicht nur ein Befreiungsschlag der unterdrückten Schwarzen, sondern auch der Zeitpunkt, an dem farbige Models die Laufstege betraten. Yves Saint Laurent war einer der ersten Designer, der dunkelhäutige Models buchte und Frauen wie die Supermodels Iman, Mounia oder später auch Naomi Campbell förderte protegierte. In den 70ern war es Donyale Luna, die als erstes farbiges Model überhaupt ein Cover der Vogue zierte. Ein paar Jahre später schaffte es Beverly Johnson auf das amerikanische Pendant.

Zu der Zeit begann auch die Karriere von Bethann Hardison, die sich später als Bookerin für schwarze Models einsetzte und heute mit ihrer Organisation „Diversity Coalition“ für mehr ethnische Vielfalt auf den Laufstegen kämpft. Der „Council of Fashion Designers of America” zeichnete sie dafür mit dem Founders Award aus – doch auf diesem Erfolg ruht sie sich nicht aus. Hardison schreibt weiterhin offene Briefe an Designer, die keine farbigen Models buchen und prangert Missstände öffentlich an.

Bis zur Mitte der siebziger Jahre waren farbige Frauen in der Modebranche allgegenwärtig. Was folgte war die Ära der Supermodels der achziger und neunziger Jahre, in der sich Naomi Campbell und Tyra Banks sich kaum vor Aufträgen retten konnten; bis sich die Modeindustrie veränderte. Charaktertypen waren nicht mehr gefragt, Die Designer wollten Anfang des 21. Jahrhunderts, dass vielmehr ihre Mode im Vordergrund steht. Models wurden zu einheitlichen Kleiderständern degradiert; dunkelhäutige Models waren in der Branche von nun an rar gesät.

Als Statement gegen die Abwesenheit von schwarzen Models in und auf Magazinen entschied die Chefredakteurin der italienischen Vogue Franca Sozzani im Juli 2008, eine All Black Issue zu veröffentlichen. Models wie Alek Wek, Tyra Banks, Naomi Campbell, Jourdan Dunn oder Chanel Iman ließen sich dazu von Steven Meisel fotografieren. Inhaltlich drehte sich die Ausgabe um dunkelhäutige Frauen in der Kunst und Unterhaltungsbranche. Alle Kritiker, die zuvor die Ausrede hatten, dass sich Cover mit farbigen Models negativ auf die Verkaufszahlen auswirken würden, wurden eines besseren belehrt. Die All Black Issue musste sogar nachgedruckt werden und ist bis heute die meistverkaufte Ausgabe der italienischen Vogue.

Vorbild für viele junge, schwarze Frauen sind heute Popikonen wie Rihanna oder Beyonce. Queen B tanzt mit den Supermodels Jourdan Dunn, Joan Smalls und Chanel Iman in ihrem Video zum Song „Yonce“. Um auf das Problem aufmerksam zu machen, dass noch immer zu wenig farbige Frauen auf den Laufstegen dieser Welt zu sehen sind, führt der feministische Blog Jezebel eine Statistik über die ethnische Vielfalt auf der New Yorker Fashion Week. Seit Herbst 2008 bis zum Herbst 2014 ist der Anteil an nicht-weißen Models immerhin um fast 10% gestiegen. Die großen Designer bauen also endlich wieder mehr „auf Farbe”: Diane von Fürstenberg setzt sich als Vorsitzende des „Council of Fashion Designers of America” für Diversität ein und zeigt bei ihren Schauen Mädchen mit unterschiedlichen Ethnien. Prada hat endlich nach 19 Jahren mit Malaika Firth wieder ein schwarzes Model für eine Kampagne gebucht und auch Labels wie Anna Sui, Desigual oder Zac Posen gehen mit gutem Beispiel voran.

Hoffentlich wird die Modebranche diesen Weg weitergehen, und erkennen, dass an all den schönen, unterschiedlichen Models das vereint wird, was wir auch an der Mode so sehr lieben: die Vielfalt.

    Naomi Campbell, 1991. Fotografiert von Herbert Ritts
    Jourdan Dunn für Russh Magazine, Sommer 2013
    Alek Wek, Los Angeles 1998. Fotografiert von Herbert Ritts
    Jourdan Dunn für Russh Magazine, Sommer 2013
    Mounia für YSL, Runway 1977
    Chanel Iman für H&M Magazine, Winter 2009: "Favourite Things from Chanel Iman"
    Naomi Campbell für YSL, Kampagne Herbst 2008