Selfmade

Konzeptionell und ultra authentisch: Anne Hilken und Christian Kurt machen seit 2006 unter dem Namen Anntian Mode in Berlin – im wahrsten Sinne des Wortes. Stoffe, Prints, Schnitte und Schneiderei – es gibt keinen Schritt, bei dem das Duo nicht involviert ist, Hersteller oder Inhalt kennt. Nachhaltigkeit ist dabei genauso wichtig die Idee, die jede Kollektion begleitet. Wie eine Malerei haben auch ihre Stücke eine Message, die sich wie ein roter Faden durch jedes Teil zieht und vor wenigen Tagen auch auf der Fashion Positions Messe sicht- und fühlbar war.
Was Mode für sie bedeutet, verraten sie im Interview.

Wie habt ihr Anntian gestartet?

Anne: 2006 haben wir begonnen, ich habe Grafik studiert, Christian Mode. Wir haben uns kennengelernt, verbunden und beide Visionen im Kopf gehabt. Dann haben wir neben unserem Job angefangen unsere Marke aufzubauen. Stück für Stück wurden wir größer, durch Mundpropaganda, die sogar bis nach Japan und New York reicht.

Was hat euch an Mode fasziniert?

Christian: Für mich war ein Faible seid den Teenager-Tagen.

Anne: Mode ist total real. Man kann es direkt machen, direkt tragen, direkt zeigen.

Christian: Ich fan auch Architektur spannend,  das war allerdings nicht ganz der richtige Weg. Und dann war Bekleidung immer präsent…

Anne: Anfangs hast du häufig Papier-Formen gefaltet und diese dann umgesetzt.

Christian: Der Anfang war natürlich sehr konzeptionell. Wir haben viel ausprobiert und mit Papierskulpturen gearbeitet. Völlig frei.

Wolltest du schon immer deine eigene Marke haben?

Christian: Nein, eigentlich nie.

Anne: Du wolltest einfach nur machen.

Was ist heute die größte Herausforderung für euch?

Christian: Der Anspruch an einen selbst, an die Produkte und die Materialien wächst natürlich durch die wachsende Erfahrung.

 Kann man dem gerecht werden?

Anne: Wir sind sehr verbunden mit der Natur. Wir versuchen so viel wie möglich organisch zu machen. Es ist alles regional hergestellt. Wir kennen unsere Produzenten, wir kennen unsere Kunden, beziehungsweise die Boutiquen, Shops und Schneidereien. Wir machen die ganzen Sample-Kollektionen bei uns. Das Direkte ist für uns sehr wichtig. Dass man es selber organisiert und es nicht abgibt.

Das gibt natürlich auch eine gewisse Flexibilität.

Christian: Genau. Es gibt Nähe, es gibt Gefühl.

Glaubt ihr, das sieht man der Kleidung an?

Christian: Das ist schon immer unser Wunsch. Man kann es natürlich nicht erzwingen, aber mir ist es wichtig, dass die Kunden unsere Kleider behalten. Sehr lang. Lieblingsstücke sammeln. Das Gegenteil von Fast Fashion.

Also wollt ihr kein blindes Konsumieren antreiben, sondern, dass sich die Kunden mit der Kleidung auf vielen Ebenen auseinande…

Anne: Genau. Das ist viel wichtiger heutzutage. Es ist toll, dass das Nachdenken jetzt anfängt.

Merkt ihr als Marke, dass schon mehr passiert?

Christian: Bedingt.

Anne: Ich denke bei uns war es schon immer so, dass die Leute sich damit auseinandersetzen. Jede unserer Kollektionen hat ein Thema, mit dem wir uns auch privat sehr tief beschäftigen, zu der wir dann einen kleinen Text verfassen. Die Leute wollen sich Gedanken machen. Ich glaube auch, das macht uns seither aus.

Gibt es etwas, worauf ihr euch in der Zukunft freut?

Christian: Den Selbstanspruch, den haben wir. Wir haben Ziele mit der Stoffauswahl. Es ist nicht einfach, eine Marke völlig nachhaltig aufzustellen. Man muss versuchen, es den Menschen einzufädeln. Es gibt viele, die diesen einen Aspekt nicht honorieren, aber die Sachen trotzdem gut finden.

Damit führt ihr eventuell auch jemanden dazu, sich mit dem Thema zu befassen. Jemand, der erstmal nur über die Optik geht und sagt „das finde ich schön“ und im Nachhinein sieht, dass noch mehr dahintersteckt und so vielleicht auf einen neuen Weg kommt.
Gibt es etwas, das ihr euch wünscht, das sich ändert in der Modeindustrie?

Anne: Dass die Großen Marken Verantwortung übernehmen. Sie könnten so viel ändern, so viel für die Natur tun. Die Produktion, die Stoffe, die Prozesse.

Die Frage ist: geht es nur um Verkauf, Konsum und Geld, oder geht es wirklich darum, etwas Schönes auf allen Ebenen zu schaffen. Ich denke, dass man die Intention spürt und hoffe, dass auch die Konsumenten es langfristig merken. Auch diese Wertigkeit genießen können.

Frau: Auf jeden Fall. Dazu gehört auch das ganze Know-How der kleineren Handwerksbetriebe und Strickereien wahr zu nehmen und Wert zu schätzen. Jetzt, wo es immer weniger dieser kleinen Betriebe gibt, merkt man erst, wie wichtig sie waren – für die Kleidung, aber eben auch uns als Marke.

Glaubt ihr, dass es wiederkommt?

Anne: Vielleicht in neuer Form – das würden wir uns wünschen.

[Text + Foto]
Laura Dunkelmann
September 15, 2020
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