A Class(ic) of its own

 

H&M & Stella McCartney ist zurück

Ein Blick ins Archiv von 2005 und wie die Designkooperation als richtige Form von Nostalgie ins Jetzt zurückkehrt

Das Zwei-Jahrzehnte-Revival. Ob in Fashion, Beauty oder Popkultur: Wenn rund 20 Jahre vergehen, verwandeln sich einst aktuelle Trends in Nostalgie. Was bleibt, ist die Sehnsucht nach ihrem Comeback. Einen ersten Vorgeschmack darauf liefert dieses Jahr bereits die Fortsetzung des Kultfilms „The Devil Wears Prada” (2006).
Was folgt, ist die nächste Rückkehr: H&M hat seine zweite Designer-Kooperation mit Stella McCartney angekündigt. Die Kollektion erscheint am 7. Mai, zwanzig Jahre nach der ersten Zusammenarbeit der gefeierten Designerin und Aktivistin mit dem schwedischen Modehaus. Die Debütkollektion im November 2005 gilt bis heute als Referenzpunkt für das Zusammenspiel von High Fashion und High Street.

Wir schreiben das Jahr 2005: Paris Hilton und Nicole Richie sind die It-Girls, permanent dokumentiert von Paparazzi und Boulevardmedien. Reality-TV, Blitzlicht und Klatschpresse bestimmen, wer oder was relevant ist. „Mean Girls” (2004), „The Princess Diaries 2: Royal Engagement” (2004) und „13 Going on 30” (2004) dominieren die Kinokassen des Vorjahres und prägen eine Gesellschaft zwischen Eskapismus und Überzeichnung. Low-Rise-Jeans, auffällige Logos und eine Mischung aus High Glam und bewusstem Bad Taste formen die Mode dieser Zeit.
Und genau in diesem popkulturellen Klima kündigt H&M nach Karl Lagerfeld seine nächste Design Collab an, diesmal mit Stella McCartney. Eine Zusammenarbeit, die sich bewusst gegen die laute, überzeichnete Ästhetik der frühen 2000er positioniert.

Stattdessen: ruhige Farben, präzise Schnitte, ein kontrollierter Luxus. Die Kollektion folgt der Handschrift McCartneys selbst: zeitloser, konsistenter, näher an einer klaren Designer-DNA als an einem kurzfristigen Hype.
Zwanzig Jahre später ist genau diese Zurückhaltung kein Gegenentwurf mehr, sondern selbst Teil der Modegeschichte geworden. Was 2005 als bewusste Abgrenzung vom Zeitgeist begann, kehrt nun als Referenzpunkt zurück. Das neue H&M & Stella McCartney blickt deshalb nicht nach vorn im Sinne eines radikalen Bruchs, sondern zurück in ein eigenes Archiv aus Signaturen, Silhouetten und Codes. Die Kollektion wird so weniger zur Neuinterpretation als zur Kuratierung der eigenen Vergangenheit.

2026 treffen Oversized Shirting, fließende Trenchcoats und scharf geschnittenes Tailoring auf weitere Referenzen aus McCartneys Archiv: mit Strass besetzte Prints, Slogan-Tops und Anspielungen auf frühe Signatur-Kleider. Die Kollektion wirkt weniger wie ein klassischer „New Drop“, sondern wie ein kuratierter Blick auf die 25-jährige Geschichte des Hauses. Rippstrickkleider und Tops werden dabei ebenso aufgegriffen wie Pieces mit McCartneys charakteristischer Falabella-Kette am Halsausschnitt.
Gleichzeitig spielt Nachhaltigkeit in der neuen Kollektion eine zentrale Rolle. Zum Einsatz kommen recycelte Materialien, Bio-Baumwolle und nach RWS-Standard zertifizierte Wolle, ergänzt durch pflanzenbasierte Stoffinnovationen. Im Vergleich zu 2005 steht nicht mehr nur der Zugang zu Design im Vordergrund, sondern die Frage, wie es überhaupt entsteht.
So entstand eine Kollektion, die weniger ungesehen sein möchte, als mit Wiedererkennung und Vertrauen in ein Erfolgsrezept. H&M & Stella McCartney zeigt, wie sehr Nostalgie Gegenwart sein kann, und noch immer sehr Jetzt: Stella is a Class(ic) of its own.

[Text]
Mavie Sellere
[Foto]
PR
[Collage]
Lida Medzech
Mai 6, 2026
Archiv
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