IKEA at Salone del Mobile 2026 Serves “Food for Thought” 

EAT THE ROOM 

Zwischen Köttbullar und Konzept verwandelt IKEA seine Location auf der Salone del Mobile in ein Setting aus Momenten. Eine Choreografie aus Essen, Design und Alltag, in der Räume weniger gebaut als gefühlt werden, wurden drei IT-Pieces der neuen PS Kollektion vorgestellt

Bei gutem Interior-Design geht es nicht um Objekte, sondern um Zustände. Um Übergänge zwischen Funktion und Gefühl, zwischen Inszenierung und Alltag. Auch die Esskultur verschiebt sich in diesem Kontext: weg vom reinen Bedürfnis, hin zu einem Medium, das verbindet, erinnert, inszeniert. Dass sich ausgerechnet IKEA diesem Spannungsfeld widmet, ist dabei alles andere als zufällig, sondern fast folgerichtig. Mit rund 80 Millionen Besucher:innen jährlich in seinen Einrichtungshäusern allein in Deutschland erreicht IKEA zahlenmäßig nahezu die gesamte Bevölkerung.

Wenn sich ein Akteur dieser Größenordnung verstärkt dem Thema Hospitality zuwendet, geht es längst nicht mehr nur um Möbel oder Meatballs, sondern um Räume des Zusammenkommens, um geteilte Erfahrungen, um kollektive Rituale. „Food for Thought“, das diesjährige Thema von IKEA zur Salone del Mobile in Mailand, setzt genau hier an: Essen nicht nur als Versorgung, sondern als soziale Infrastruktur.

Schon der Auftakt deutet diese Haltung an. Der Innenhof von Spazio Maiocchi, ein kleiner Markt, offen, sonnig und belebt. Zwischen lokalen Produkten und spielerischen Zitaten, Köttbullar als Chupa Chups Geschmack, entsteht eine Atmosphäre, die weniger an eine klassische Messe erinnert als an ein erstes Zusammenkommen. Freundlich, zugänglich. Ein Anfang, der weniger erklärt als einlädt.

Im Inneren des Gebäudes setzt sich dieses Prinzip fort. Der cleane weitläufige Raum mit Hohen Decken und wenigen Wänden, im Zentrum stehen fünf Räume, gestaltet von jeweils einem Duo aus Designer und Koch/ Food Artist/Stylist. Die Räume sind ineinander verflochten, nicht linear, sondern eher wie eine Abfolge von Situationen. Über Eck gedacht, eine Ebene darüber, dazwischen immer wieder Objekte der neuen IKEA PS Kollektion. Die drei It-Pieces daraus sind jeweils auf spiegelnden Podesten inszeniert.

Gerade diese Objekte wirken dabei wie Ankerpunkte. Drei erste Einblicke in die neue IKEA PS Collection: ein aufblasbarer Sessel, eine Schaukelbank aus massivem Kiefernholz, eine dreidirektionale Stehleuchte. Formen, die vertraut erscheinen und sich im Detail verschieben. Leicht, beweglich, präzise gestaltet. Keine lauten Statements, sondern Objekte, die über ihre Nutzung sprechen. Spielerisch, aber nicht beliebig. Funktional, ohne sich darin zu erschöpfen.

Mikael Axelsson, Designer at IKEA of Sweden:

„Die Idee, Luft zu nutzen, etwas, das frei verfügbar und für alle zugänglich ist.
Ist sehr reizvoll und passt gut zur Philosophie von IKEA. Ich habe dieses Konzept erstmals 2014 untersucht, indem ich eine mit Luft gefüllte Sitzfläche in einem Metallrahmen entworfen habe, um Kontrast und Funktionalität zu verbinden. Damals war die Technik noch nicht weit genug, sodass der Prototyp nicht umgesetzt werden konnte. Jahre später (jetzt) habe ich die Idee wieder aufgegriffen und, gestützt auf frühere Experimente wie die aufblasbaren Möbel von IKEA aus den 1990er-Jahren, weiterentwickelt und schließlich erfolgreich realisiert.”

Lex Pott, Designer:
„Ich glaube, Unvollkommenheit ist immer der Ausgangspunkt, sonst kann man gar nicht anfangen. Es ist ein Entwicklungsprozess: Ob als Mensch oder als Designer, Verbesserung entsteht Schritt für Schritt. Mein Ansatz ist bewusst roh, unbeholfen und skizzenhaft, einfach um die Idee aus dem Kopf herauszubringen. Von dort aus entwickelt sich der Prozess weiter hin zu Verfeinerung und schließlich zu einem Gefühl von Perfektion.”

Jeder Raum greift eine alltägliche Spannung auf: Nähe und Rückzug. Spiel und Funktion. Langsamkeit und Effizienz. Es sind keine abgeschlossenen Szenen, sondern Vorschläge, wie sich Essen und Wohnen miteinander verhalten können. Besonders prägnant wird das im Room „Self-Service“. Gestaltet von Interior Designerin Charlotte Taylor mit Koch Ben Lippert.

Ein Raum, der weniger gestaltet wirkt als vorgefunden. Ein ungemachtes Bett. Dazwischen Bücher und Magazine, verteilt auf Tisch und Boden. Eine Flasche Rotwein, eine einzelne weiße Tulpe. Helles Holz, weiche, zurückhaltende Farben. Alles wirkt beiläufig, fast zufällig und ist doch präzise gesetzt. Der Raum erinnert weniger an ein Ausstellungsstück als an einen Moment, der gerade erst vergangen ist. Fast voyeuristisch. Als würde man durch das Zimmer einer Person gehen, die eben noch da war.

Hier verschiebt sich auch die Rolle des Essens. Es ist nicht Inszenierung im Vordergrund, sondern Teil des Alltags, Teil einer Situation.

„Unvollkommenheit ist der Ausgangspunkt, sonst kann man nicht beginnen. Ob als Mensch oder als Designer. Entwicklung geschieht Schritt für Schritt. Mein Ansatz ist bewusst roh und skizzenhaft, um die Idee aus dem Kopf zu holen. Von dort aus entwickelt sich der Prozess weiter hin zu Verfeinerung und schließlich zu einem Gefühl von Perfektion."

Insgesamt bleibt das Kulinarische jedoch präsent: kleine Gerichte, die verteilt werden, Neuinterpretationen vertrauter Formen. Hot Dogs, Fisch Hotdogs aus Alaska-Seelachs-Filets, Eis mit Preiselbeere und Karamel. Kombinationen, die sich nicht über Exklusivität definieren, sondern über Zugänglichkeit. Bekannt und zugleich verschoben. Das Leitmotiv „Food for Thought“ wirkt dabei weniger wie ein festes Konzept als wie eine Beobachtung. Essen als etwas, das verbindet, über Kulturen hinweg, über Gewohnheiten hinweg. Viele Gerichte unterscheiden sich, und ähneln sich doch. Gefüllte Teigtaschen, ob Wan-Tans oder Maultaschen, in unterschiedlichsten Varianten, kennt man in jeder Kultur.
Wiederkehrende Formen, neue Kontexte.

Auch der Ansatz des „Democratic Design“, den IKEA immer wieder betont, fügt sich hier ein.
Gestaltung nicht als exklusives Statement, sondern als etwas, das geteilt werden kann.
Die PS Kollektion führt diesen Gedanken weiter: skandinavisch minimalistische Objekte, die dennoch einen eigenen Ausdruck behaupten. Ein Versuch, Gestaltung nicht zu vereinfachen, sondern für alle zugänglicher zu gestalten.

Maria O’Brian, Creative Leader at IKEA of Sweden: “ETHICS ARE THE NEW AESTHETICS!”

Was hier entsteht, ist kein Gegenentwurf, sondern eine Verschiebung: weg vom Objekt als Zentrum, hin zu Situationen, zu Begegnungen. Typisch für IKEA-Räume, wie wir sie aus den Einrichtungshäusern kennen. Man betrachtet sie nicht nur, man durchläuft sie, bewegt sich in ihnen, gemeinsam mit Fremden, zugleich öffentlich und intim, kommerziell und individuell.
Auch das ist ein Gefühl, das wir, oft unbewusst, durch IKEA gelernt haben: Räume als soziale Choreografien zu lesen. Wir begegnen Objekte, die nicht nur funktionieren, sondern Beziehungen stiften, weil wir einander begegnen.
Vielleicht liegt genau darin die Qualität dieser Inszenierung. Dass sie Momente anbietet und damit etwas sichtbar macht, das im Alltag oft selbstverständlich bleibt:

Dass Essen nicht nur verbindet. Sondern Räume schafft, in denen Begegnung überhaupt erst möglich wird.

AUTORIN: Konsti Hieber, Interior & Beauty Features

PHOTOS: K.H. / PR

ILLUSTRATION: Skippinskips

April 29, 2026
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