Badmómzjay über Freiheit in der Öffentlichkeit, Erwachsenwerden und ihren Glauben

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Jordan Napieray wird mit 15 zu Badmómzjay und legt damit nicht nur den Grundstein für ihre Rap-Karriere, sondern auch für ein Leben unter Beobachtung. Als Badmómzjay mit Öffentlichkeit umzugehen und als Jordan bei sich zu bleiben, verlangt nach unterschiedlichen Formen von Self-Care. Hier erzählt die 24-Jährige vom Erwachsenwerden vor den Augen anderer, von ihrem Glauben als Halt und davon, warum ihre Kunst bis heute auch ein Schutzschild ist.

Jordan, wir sind beide ungefähr gleich alt, und ich merke gerade selbst, wie viel sich in diesem Alter verändert: im Job, in Beziehungen, im Blick auf mich selbst. Hast du trotz der Öffentlichkeit, die dein Erfolg mit sich bringt, das Gefühl, dich ausprobieren zu können?

Nein, ich glaube nicht. Ich kann mir diese Freiheit nicht so einfach nehmen. Alles, was ich mache, wird bewertet. Ich stehe in der Öffentlichkeit, im Internet, jeder kann meinem Leben zusehen. Ich wachse anders. An meinen Projekten, an meiner Kunst und vor allem an den Menschen, denen ich begegne.

Sind Badmómzjay und Jordan für dich zwei verschiedene Personen?

Ich habe über die Jahre gemerkt, dass das wirklich zwei unterschiedliche Personen sind. Mittlerweile ist das auch okay für mich. Trotzdem können die beiden nicht ohneeinander, sie brauchen sich gegenseitig. Aber wenn ich nach Hause komme, bei meinen Freunden bin, bei den Leuten, die mich lieben, dann will ich nicht Badmómzjay sein, sondern einfach nur Jordan.

Du hast mal gesagt, dass du mit Ikkimel eine Girlgroup gründen würdest. Ihr beide ziert jeweils ein Cover dieser Ausgabe. Was, glaubst du, würde passieren, wenn ihr wirklich zusammen Musik machen würdet?

Ich glaube, das könnte sehr, sehr krass werden. (lacht) Auf jeden Fall etwas, das man so noch nicht gehört hat. Ich mag sie einfach unfassbar gern, ich liebe sie, ich supporte sie. Vielleicht ja eines Tages …

Frauen müssen sich auch im Rap und im Hip-Hop nach wie vor stärker beweisen als Männer und werden gleichzeitig viel schneller auf ihr Aussehen oder ihr Geschlecht reduziert. Hast du das Gefühl, dass du mit deinem Erfolg auch Raum für andere Frauen schaffst?

Ich habe generell das Gefühl, dass es Frauen in vielen Bereichen immer noch schwerer gemacht wird. Als meine Karriere startete, war ich sehr jung und wurde oft belächelt. Mittlerweile habe ich mir ein Standing erarbeitet, und das lasse ich mir auch nicht mehr nehmen. Ich habe nie aufgegeben und werde immer dafür kämpfen. Nicht nur für mich, sondern auch für andere Frauen. Und ja, ich glaube schon, dass ich in gewisser Weise eine Tür aufgemacht habe. Das finde ich schön, denn genau so sollte es sein.

Du wirkst nach außen sehr klar in dem, wofür du stehst. Gibt es Themen, bei denen du deine Meinung in den letzten Jahren komplett geändert hast?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe gelernt zu vergeben. Früher konnte ich das gar nicht, und auch heute fällt es mir manchmal noch schwer. Wenn mich jemand wirklich tief verletzt, bin ich sehr strikt und mache schnell einen Cut. Ich habe aber auch lange viel zu viel Liebe, Zeit und Energie in Menschen gesteckt, die damit nicht gut umgegangen sind. Das hat zu vielen Enttäuschungen geführt. Mit der Zeit habe ich gelernt, früher für mich einzustehen und auch mir selbst zu vergeben, wenn ich meine eigenen Grenzen nicht ernst genug genommen habe. Gleichzeitig verstehe ich heute besser, dass jeder Mensch anders ist und anders denkt. Gerade durch meinen Glauben habe ich mehr Geduld und Verständnis entwickelt.

Welche Rolle spielt dein Glaube in deinem Leben?

Ich bin nicht religiös aufgewachsen, meine Familie ist tatsächlich gar nicht gläubig. Ich habe mir meinen Glauben relativ früh selbst angeeignet, labeln möchte ich ihn aber nicht. Mein Glaube prägt meine Weltansicht, die Art, wie ich auf Leute zugehe oder wie ich damit umgehe, wenn mir schlechte Dinge passieren. Gläubig zu sein, formt und leitet mich.

Du bist schon als Teenagerin bekannt geworden. Wenn du heute auf die letzten Jahre zurückblickst: Welcher Moment macht dich besonders stolz?

Es gibt so viele Momente, aber ich glaube, momentan bin ich am stolzesten auf mein neues Album „Haus im Meer”. Mein ganzes Herz ist in so viele Songs geflossen. Und wenn Menschen sie hören und vielleicht etwas von dem fühlen, was ich beim Schreiben gefühlt habe, macht mich das unglaublich stolz.

Deine roten Haare sind unverkennbar Badmómzjay. Auch in der Strecke spielt Rot eine Rolle – von der beruhigenden LED-Maske bis Gua Sha. Wie beruhigst du dich selbst, wenn alles zu viel wird?

Self-Care von außen ist auf jeden Fall wichtig. Was mir aber vor allem hilft, wieder runterzukommen und zu mir selbst zu finden, ist mein Glaube. Gleichzeitig ist Badmómzjay für Jordan wie ein Schutzschild, gerade auf der Bühne oder in der Öffentlichkeit. Wenn ich sie bin, prallt vieles an mir ab. ’cause I know who I am!

Wenn du in 20 Jahren auf deine Karriere zurückblickst: Wofür soll Badmómzjay stehen?

Für Haltung statt Hass, für die queere Community und vor allem für Liebe …

[Autorin]
Mavie Sellere
Oktober 28, 2026
TUSH 59
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