Val Done

"Ich wollte ein Freak sein!"

Fashion Shows, High End Editorials und die coolsten Celebrities: Wo Val Garland schminkt, wird es inspirierend, oft auch elegant und immer besonders. Die Britin kreierte das Make-up für die Alexander McQueen Shows, Björk and arbeitete mit Kate Moss – jetzt ist sie Global Make-up Creator für L’Oréal Paris. In Cannes sprachen wir mit ihr über ihre Inspiration.

Was fasziniert Sie an Make-up?

Ich liebe es zu malen. Ich schaue mir Gesichter wie eine Leinwand an – Außerdem möchte ich, dass Frauen schön fühlen, sie stärken. Und ich spiele gerne!

Ist Make-up für Sie eine Erweiterung der Persönlichkeit oder Transformation?

Make-up kann so viel sein: Verwandlung, Selbstbewusstseins-Booster, es ist wie eine Geheimwaffe, ein Zauberstab. Ich erinnere mich noch daran, wie sich meine Mutter früher im Bad eingeschlossen hat um sich fertig zu machen, zu verwandeln. Make-up ist ja wie ein Kleidungsstück, sogar besser als eine Bluse oder ein Dior-Anzug.

Also kommt die Faszination durch ihre Mutter?

Auch, aber wenn so überlegen: eigentlich mehr durch meine Schwester. Sie war groß, schlaksig, dünn – ganz anders als ich. Sie hatte aber nicht viel Selbstbewusstsein. Sie war sehr ruhig, geradezu schüchtern. Mit etwa Zwölf oder Dreizehn hat sie angefangen sich auch im Bad einzuschließen, nahm ihre Magazine mit und kam eine Stunde später mit geschminkten Gesicht heraus. Von da an habe ich sie nie wieder ungeschminkt gesehen. Das war in den 70ern, sie sah aber auch ganz schön Orange aus. Jerry Hall, Ursula Andress, Sophia Loren – diese Frauen waren ihre Inspiration und deshalb war ihr Look sehr glamourös. Durch sie bin ich das erste Mal mit Make-up in Berührung gekommen, das wird mir ehrlich gesagt jetzt erst klar! Dieses Interview ist fast wie eien Therapie-Stunde!

Ich wollte aber natürlich ganz anders sein. Ich wollte der Freak sein, einfach Farbe auf’s Gesicht klatschen um aufzufallen. Glamour hat mich nicht interessiert, ich wollte lieber ein Kunstwerk werden.

Ist das heute immer noch so?

Darling nein! Ich möchte toll und glamourös aussehen! Es macht doch keinen Sinn mehr wie ein Freak auszusehen, nicht in meinem Alter.

Und wenn Sie andere schminken? Geht es um einen schmeichelhaften oder kunstvollen Look?

Wenn jemand vor mir sitzt frage ich mich: „Was kann ich für diese Frau tun?“, wie schaffe ich es, das sie sich gut fühlt? Wenn ich mit Stars arbeite, geht es darum, sie aus dem Hintergrund zu stärken, so sollen sich so schön wie möglich fühlen. Das Selbstbewusstsein brauchen sie, wenn sie auf die Bühne gehen. Bei Shoots kommt es darauf an, was sich der Fotograf wünscht. Aber es muss auch immer „Beauty“ sein, etwas Schönes haben. Es kann verrückt und abgedreht sein, aber man muss die Schönheit sehen.

Ist das Ihre Philosophie?

Es gibt so vielen Arten von Looks, ich brauche aber immer ein schönes Element. Für mich muss es auch Leben geben. Wenn ich z.B. ein total theatralisches Make-up mache, füge ich an einer Stelle ein nasses Finishes hinzu. Oder wenn es total matt ist, eine glossige Lippe. Das bringt Leben in den Look.

Kommt es bei gutem Make-up mehr auf die Technik oder die Idee an?

Die Frage ist: Sieht es gut aus? Wenn es das tut, ist es das auch!

Ich habe vor drei oder vier Jahren meine ersten Online-Kurse gegeben. Es gab ein Briefing, die Teilnehmer haben dann ihre Idee und ein Konzept entwickelt. Gut 1200 waren dabei und am Ende des Monats habe ich immer die vier besten ausgewählt. Entscheidend war da dann einfach der finale Look. Einer sagte dann: Die oder derjenige hat aber nicht hart gearbeitet, sondern einfach in letzter Minute los geschminkt. Aber das ist es doch, was ein Genie ausmacht. Entweder hat man es oder eben nicht. Du kannst arbeiten ohne Ende, aber wenn es dir eben nicht liegt, kannst du es auch nicht lernen.

Als ich das erste Mal mit Nick Knight gearbeitet habe, war ich sehr sorgsam, ich wollte es perfekt machen, habe mit einer Lupe gearbeitet. Dann sah Nick das Make-up und sagte: „Ja, das ist perfekt, echt makellos. Jetzt mach es ein bisschen kaputt.“

Perfektion ist nicht immer das Schönste. Man sieht ja auch manchmal jemanden mit einem total symmetrischen Gesicht und die Person wirkt dennoch total durchschnittlich.

Jemand mit z.B. unterschiedlich großen Augen oder Brauen ist vielleicht viel interessanter. Schönheit liegt im Unperfekten!

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Make-up?

Ich hoffe auf technische Innovationen – das Make-up mit einem Klick funktioniert. (Stupst auf die Nase)

Wirklich?! Ich dachte Sie sind eine Malerin!

Ja stimmt, aber es gibt doch was für jeden!

Editorial, Instagram – Bei Editorials benutzen wir keine Foundation, der Anspruch ist anders. Es wird immer etwas neues geben – und es kann nur besser werden.

Schauen Sie manchmal zurück auf vergangene Zeiten?

Als ich gestartet bin, sind wir ins Studio gegangen und haben einfach angefangen zu machen. In den 80s haben wir nicht nach Plan gearbeitet, wir haben keine Referenzen benutzt. Wir haben einfach umgesetzt, was wir im Kopf hatten.

Ich mag Referenzen generell nicht. Klar werde ich manchmal gefragt: „Kannst du den 80er Jahre Linda Evangelista Herb Ritts Look machen?“ Aber wenn ich das tuen würde, sähe es altmodisch aus. Ich nehme dann lieber nur ein Element und mix es mit etwas neuem, schmeiße es in die Waschmaschine, Schleudergang rein und schaue, was raus kommt.

Einfach die Vergangenheit zu kopieren ist langweilig und ich langweile mich nicht gerne. Ich mag schaue eher in die Zukunft, weil dort die spannenden Dinge passieren.

 

 

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[Interview]
Laura Dunkelmann
Mai 29, 2018
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