Skulpturealität

Esther Perbandt sieht Schwarz für die Mode – jedenfalls für ihr Design. Die Berliner Designerin hat ihren Ton gefunden und schneidert vornehmlich in Schwarz. Avantgardistisch, unisex, autonom und skulptur-real – also kunstvoll, aber tragbar. Nach Stationen in Paris und Moskau, sowie der Amazon Show „Making The Cut“ ist sie zurück in Berlin und war Teil der Fashion Positions-Ausstellung, die neben Kunst besondere Kreationen Berliner Modeschaffender zeigt. Wir sprachen mit Esther über Farben und Formen, Gegenwart und Zukunft.

Siehst du deine Mode als Kunst?

Es ist schon tragbare Kunst für mich. Ich möchte, dass meine Kunden meine Bekleidung sammeln, genauso als würden sie Kunst sammeln. Tatsächlich klappt es auch: Viele besitzen die Kleidungsstücke schon 10 Jahre und tragen sie immer wieder. Deshalb habe ich auch die Farbpalette so reduziert. Nicht, weil ich so düster oder unkreativ bin. Die Idee dahinter ist, schöne Klassiker zu schaffen, die man lange hat und liebt.

Fühlst du dich als Designerin frei?

Die Grenzen zwischen Mode und Kunst verschwimmen, das gibt mir Freiheit. Diese Teilnahme an der Show „Making The Cut“ hat mir den Mut gegeben, noch mehr zu verfolgen wo ich eigentlich hinmöchte und was ich machen will. Beim Start als Designerin habe ich mir viele Gedanken gemacht wie „ich habe kein Geld“, „kann ich das verkaufen?“, „Ist das wirklich tragbar?“ bis zu „Ich darf nicht zu künstlerisch werden.“ Immer diese Kalkulationen – heute ist es anders.
Immer der Vergleich: Darf ich das? Kann ich aus einem normalen Industrie-Rhythmus ausbrechen? Einfach diese 10 Wochen für diese Show da zu sein und einfach nur kreativ zu sein, das hatte ich 15 Jahre nicht mehr. Und es war eigentlich die schönste Verjüngungs- und Business- und Persönlichkeitsentwicklungs-Kur, die ich vom Universum geschenkt bekommen konnte. Ich bin so dankbar! Natürlich auch für die ganze Aufmerksamkeit, aber vor allem für das, was es in mir ausgelöst hat. Vor zwei Jahren hätte es so einen Stand wie hier auf der Fashion Positions nicht gegeben.

In der Show musste ich mich wochenlang immer wieder verteidige,  immer wieder neue Argumente zu finden, die mich in meiner Position stärken. Ich habe mich selber gefragt „will ich das? Und warum will ich das?“.
Die Antwort ist klar: Ja, ich will es verdammt noch mal. Es ist genau richtig.

Hier, dieser weiße Kreis zum Beispiel – der zeigt, dass für mich nur mit schwarz zu arbeiten heißt, mit Licht zu arbeiten. Ich male sozusagen einen Rainbow In Black. Deswegen auch immer der Spruch „black is colorful“.

Also braucht es einen Kontrast…

Genau. Ein wenig wie die Umkehrung des Schwarzen Loches, das einen sozusagen hineinzieht. Hier zieht einen das Licht hinein. I am addicted to white and I am addicted to light. Um mich herum muss es wirklich immer ganz hell sein. Auch, weil ich den Kontrast liebe und zu sehen, was dann mit Schwarz passiert. Ich liebe deshalb auch den Künstler Pierre Soulages und seine schwarzen Arbeiten.

Was ist für dich, als Designerin, die größte Herausforderung gewesen?

Stay true to yourself – was echt schwierig ist. Der ständige Druck von außen. Aber die Not macht erfinderisch. Das hat mir diesen Weg geebnet. Das Selbstvertrauen, das ich heute ausstrahle, ist über viele Jahre gewachsen. Ich musste es mir Zentimeter für Zentimeter erarbeiten. Oft gegen den Strom zu schwimmen war nicht einfach.

Das kostet viel Kraft, die man sich selber geben muss, denn du bekommst sie nicht von außen. Wie siehst du Berlin als Base dafür? Du hast auch in anderen Städten gearbeitet, kennst viele Orte.

Ich liebe Berlin als Base. Es ist wie mein Fundament und die Story meiner Marke und meiner Person. Die drei Städte Berlin, Moskau, Paris sind sehr wichtig. In Berlin sind meine Wurzeln. Das Punkige, das Toughe. In Moskau war ich drei Monate, wo sich meine Liebe zur Kunst, zur Avantgarde der 20er Jahre und zum Konstruktivismus und Dekonstruktivismus weiterentwickelt hat. Gestern dachte ich noch an den Künstler El Lissitzky. Es sind Künstler, Grafiken oder Kunstwerke, die mich sehr geprägt und inspiriert haben. Das sehe ich noch immer in meiner Arbeit. Und dann, als Kirsche auf der Torte, der Feinschliff aus Paris. Das Elegante, Luxuriöse. Berlin brauche ich, um immer wieder einen Touch-Point zur Realität zu haben.

Gibt es etwas auf das du dich in Zukunft mit deiner Marke freust?

Zwei Tage nachdem ich die Zusage bekommen habe, hier ausstellen zu dürfen, kam ein Gallerist in meinen Laden und hat mich gefragt, ob ich ihn in Leipzig besuchen und seine Galerie angucken möchte, da er Lust hat was mit mir zu machen. Er wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass ich hier ausstelle. Es ist schön, dass er gesehen hat, dass da mehr ist als eine Modemarke.

Durch „Making The Cut“ habe ich mich unheimlich gut digital aufgestellt. Auch da möchte ich weiter machen. Ich möchte eine moderne Brand werden. Das Fundament von dem „Haus Esther“ ist da. Jetzt möchte ich anfangen eine erste Etage zu bauen, dann eine zweite, eine dritte. In ein paar Jahren wird dann das Rooftop gebaut. Meine Schnittmacherin fängt gerade an, mit Avataren zu arbeiten, sodass wir die Technologie zum digitalen Anprobieren im Onlinestore integrieren können.

Das ist sehr spannend und erweitert ja auch deinen Wirkungskreis und Horizont, den man dann vom Rooftop aus sehen kann… 

 

Foto + Text Laura Dunkelmann

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