WAS EIN ZIRKUS?!

 

Nach einem kleinen Chat mit dem Hair und Make-up Team und zwei, drei Selfies im Backstage Bereich finden sich die Gäste in einer kleinen Arena ein. In ihrer Mitte ein gläsernes Karusell, 360 Grad Rundumansicht.

Er entblößt das Team von Choreopgraphen, Stylisten und Anziehhilfen bei ihrer Arbeit und die Models im Momentum zwischen Bademantel und Gucci Look. Denn diese Saison öffnet uns Alessandro Michele alle Türen. Im Gemisch aus diffusem Licht und Nebelschwaden beginnt das Spektakel: Manege frei!

Für seine Herbst Winter 2020 Kollektion verschickte Alessandro Michele seine Einladung zur Show via WhatsApp. Nachhaltig, aber vor allem eine Anspielung Richtung Social Media: so intim, wie sich mancher Gast dort präsentiert, ist auch die Einladung via Chat äußerst persönlich. Auf einem angehängten Bild zeigt sich Alessandro Michele selbst, fast wie ein Hohepriester, der zu seinem Ritual lädt. So nennt er seine Shows nämlich fortan. Rituale, die Modenschau als Gottesdienst für die Modebranche. Und in diesem Gucci Gottesdienst ist jeder willkommen. Der Backstage Bereich, das Pudern und Föhnen der Models bis zum Anziehen und Zurechtzuppeln der Bekleidung – alles findet vor dem Publikum statt und ist Teil der Performance. Denn was Instagram und Co. uns vor allem gebracht haben, ist eine ständige, weltweite Liveübertragung aus Fitnessstudios, Restaurants, Büros und sogar Kinderzimmern. Und für einen Modedesigner sind die Momente vor der Show das eigentliche Highlight.
Der Nervenkitzel, bis es alle Looks über den Laufsteg geschafft haben, ist der emotionale Antrieb hinter monatelanger Atelierarbeit. Und diesen Moment, dieses Gefühl will Alessandro nun auch mit allen Teilen – und zu einem Ritual erheben, das seine Pilger wieder in die Kirche lockt.

We all belong to the same circus, and I really want to go on repeating this ritual.” - Alessandro Michele

Die eigentliche Attraktion aber, die Kollektion, besteht in ihrer Hauptrolle zwischen Bühne und Performance an diesem Nachmittag in Mailand. Sie erzählt von einem Trip zurück in die Kindheit, von Baby-Doll Kleidern und zu großen Jeanshose, von Hippie und Grunge Looks, Nonnen- und Krankenschwester-Kostümen. Aber auch ein wenig Moulin Rouge und etwas Kink in Form von Lack-Harnissen fehlt nicht. Für jeden Jugendlichen ist etwas dabei.

Denn Jugend ist Freiheit, so Alessandro Michele. Und Freiheit, in Zeiten der ständigen Instagram-Selbstüberwachung ein Gut, das wir schätzen müssen.

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